Abstract
Der Beitrag richtet den Fokus auf die bislang wenig erforschte Schnittstelle von Rechtswissenschaft und Sprachwissenschaft in Deutschland, insbesondere im Bereich der Metonymie im Recht. Die Untersuchung der Funktion und Bedeutung von Metonymie im Recht zeigt, dass metonymische Formulierungen in Gesetzestexten, juristischer Praxis und medialen Rechtsdiskursen weit verbreitet sind, bislang aber kaum systematisch erforscht wurden. Anhand ausgewählter Beispiele aus Gesetzen sowie aus der Berichterstattung über Gerichtsverfahren wird aufgezeigt, wie metonymische Wendungen rechtliche Verantwortlichkeit zuschreiben, Institutionen verdichten und komplexe Sachverhalte sprachlich handhabbar machen. Dabei wird deutlich, dass Metonymie im Recht einen Balanceakt zwischen Eindeutigkeit, Kürze, Klarheit und notwendiger Abstraktivität darstellt: Sie ermöglicht prägnante Normtexte und eingängige mediale Darstellungen, birgt aber zugleich das Risiko von Unschärfen und Fehlinterpretationen. Dies wirft ein neues Licht auf ein zentrales Spannungsfeld juristischer Kommunikation und unterstreicht die Bedeutung der Linguistik für das Rechtsverständnis und die Rechtsanwendung.
This article focuses on the hitherto little-researched interface between jurisprudence and linguistics in Germany, particularly in the field of metonymy in law. It examines the function and significance of metonymy in law and shows that metonymic formulations are widespread in legal texts, legal practice and media discourse on law, but have hardly been systematically researched to date. Using selected examples from laws and court proceedings reports, it demonstrates how metonymic expressions assign legal responsibility, consolidate institutions and make complex issues linguistically manageable. It becomes clear that metonymy in law represents a balancing act between unambiguity, brevity, clarity and necessary abstraction: it enables concise normative texts and catchy media representations, but at the same time carries the risk of vagueness and misinterpretation. This sheds new light on a central area of tension in legal communication and underlines the importance of linguistics for understanding and applying the law.

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International.
Copyright (c) 2026 Recht und Literatur
