Gegenwehr und Selbstermächtigung

Feministische Selbstverteidigung als Antwort auf femizidale Gewalt

Autor/innen

  • Maren Schumann Autor/in

DOI:

https://doi.org/10.18716/ojs/twps/2026.12142

Schlagwörter:

Femizid, feministische Selbstverteidigung, Selbstermächtigung, Bewusstseinsbildung, geschlechtsspezifische Gewalt, Solidarität, Gewaltprävention, Widerstand, Grounded Theory

Abstract

Diese Arbeit untersucht feministische Selbstverteidigung als Strategie zur Bekämpfung von und als Antwort auf femizidale Gewalt. Ausgangspunkt ist die anhaltende geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen und feminisierte Körper, die sich in vielfältigen Formen bis hin zu Femiziden manifestiert und durch gesellschaftliche patriarchale Strukturen verfestigt wird. Aufbauend auf theoretischen Konzepten von Diana Russel und Marcela Lagarde y de los Ríos wird der Femizid bzw. femizidale Gewalt als Ausdruck systemischer patriarchaler Machtverhältnisse eingeordnet und analysiert. Zugleich wird kritisch hinterfragt, warum trotz wachsender Aufmerksamkeit bislang keine grundlegenden Veränderungen dieser Gewaltverhältnisse erreicht wurde.

Vor diesem Hintergrund rückt die Frage nach konkreten Handlungs- und Gegenstrategien in den Fokus. In dem Spannungsfeld zwischen politischem Stillstand, gesellschaftlichem Backlash und feministischem Widerstand gewinnt die Auseinandersetzung mit feministischer Selbstverteidigung an Bedeutung.

Mittels der konstruktivistischen Grounded-Theory-Methodologie, deren empirische Grundlage leitfadengestützte Interviews bilden, werden Bedeutungen, Praktiken und Wirkungen dieser Form des Widerstandes rekonstruiert. Die Analyse zeigt, dass feministische Selbstverteidigung weit mehr als eine körperliche Abwehrtechnik ist. Sie fungiert als Praxis der Selbstermächtigung, politischen Bewusstseinsbildung und kollektiven Gegenwehr gegen patriarchale Strukturen. Die zentralen Kernkategorien Gegenwehr und Selbstermächtigung verdeutlichen, dass feministische Selbstverteidigung sowohl individuelle Handlungsmacht stärkt als auch kollektive Transformation ermöglicht, indem sie mit gesellschaftlichen Normen bricht und solidarische Strukturen verankern kann.

Gleichzeitig werden in der Arbeit die Grenzen feministischer Selbstverteidigung deutlich: Sie kann strukturelle Gewaltverhältnisse nicht allein auflösen, verbleibt oft auf individueller Handlungsebene und ist von gesellschaftlichen, ökonomischen und institutionellen Machtverhältnissen abhängig. Ohne eine umfassende politische, soziale und rechtliche Transformation läuft sie Gefahr, politischen Wandel zu verstellen, indem sie Verantwortung auf das Individuum schiebt.

Im Fazit wird daher argumentiert, dass feministische Selbstverteidigung als politische Praxis verstanden werden muss, die patriarchale Gewaltverhältnisse nicht nur adressiert, sondern aktiv infrage stellt und zugleich im Zusammenspiel mit kollektiven Kämpfen, Bildungsarbeit und strukturellem Wandel nachhaltig Veränderung bewirken kann.

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Veröffentlicht

2026-05-21