Donut-Ökonomie

Autor/innen

  • Claudius Gräbner-Radkowitsch Autor/in
  • David J. Petersen Autor/in

DOI:

https://doi.org/10.18716/ojs/twps/2026.12140

Schlagwörter:

Donut-Ökonomie, Planetare Grenzen, Sozial-ökologische Transformation, Wachstumsagnostik, Postwachstum, Nachhaltige Entwicklung, Klimagerechtigkeit, Doughnut-Washing

Abstract

Mit dem Konzept der Donut-Ökonomie hat Kate Raworth ein Konzept entwickelt, das den Anspruch hat, den Zielhorizont der Klimadebatte grundlegend zu verschieben: Anstelle von BIP-Wachstum rückt hier ein multidimensional verstandener sozial-ökologischer Wohlstand in den Mittelpunkt. Das titelgebende Bild einer doppelten Grenze – zwischen sozialen Mindeststandards und planetarischen Belastbarkeitsgrenzen – macht Defizite und Überschreitungen gleichzeitig sichtbar und bietet einen integrativen Rahmen, der ökologische Stabilisierung und soziale Sicherung zusammendenkt.

Dieser Beitrag rekonstruiert den Entstehungskontext und die Grundlogik des Ansatzes, analysiert seine Verwendung in öffentlichen und politischen Debatten sowie in konkreten kommunalen Anwendungen. Er beschreibt, wie der Donut seine Wirkung auf unterschiedliche Weise entfalten kann: als normatives Zielbild, als Monitoring-Instrument und als kommunikativer Rahmen. Genau diese Mehrdeutigkeit erklärt seine breite Rezeption – birgt aber auch das Risiko harmonisierender Lesarten, in denen Verteilungs- und Machtfragen hinter scheinbar neutralen Indikatoren verschwinden.

Kritisch diskutiert werden insbesondere drei potenziell kritische Aspekte der Donut-Ökonomie: erstens eine Objektivitätsillusion, die normative Setzungen bei der Grenzziehung verdeckt; zweitens eine Machtblindheit gegenüber den Governance-Strukturen, die bestimmen, wessen Bedürfnisse überhaupt zählen; drittens eine strukturelle Schweigsamkeit gegenüber konkreten Transformationspfaden und -konflikten. Das Risiko einer rein symbolischen Nutzung entsteht dabei weniger aus konzeptionellen Schwächen als aus dem fehlenden politischen Willen zu verbindlichen Priorisierungen, die mit dem partizipativen Anspruch des Konzepts aber notwendigerweise einhergehen.

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Veröffentlicht

2026-05-21