Präfiguratives Placemaking als Strategie transformativen Stadtmachens

Autor/innen

  • Michael Fendel Autor/in

DOI:

https://doi.org/10.18716/ojs/twps/2025.11942

Schlagwörter:

Präfigurative Politik, Placemaking, reale Utopien, Recht auf Stadt, Stadtmachen, Soziokultur, postmigrantische Gesellschaft, humanistische Geografie, Transformationsforschung

Abstract

Im Fokus dieses Working Papers stehen städtische Orte des Wandels, die alternative Zukünfte schon jetzt konkret erfahrbar machen. Angesichts von Klimawandel, expansiver Urbanisierung, Gentrifizierungsprozessen, steigender sozio-ökonomischer Ungleichheit und politischer Polarisierung entstehen vielerorts neue Formen kollektiver Stadtgestaltung, bei denen Stadtbewohner*innen ‚bottom-up‘ Visionen für eine gerechtere, nachhaltigere und inklusivere Gesellschaft verwirklichen.

Ausgangsthese ist, dass sich alternative, mitunter utopisch erscheinende Visionen von Stadt durch kollektives, präfigurativ-politisches Handeln materialisieren und damit einen möglichen Pfad sozial-ökologischer Transformation vorzeichnen können. Dies wird im Konzept des präfigurativen Placemakings zugespitzt, der Schnittstelle zwischen präfigurativ-politischem Handeln und der prozesshaften, kollektiven und intentionalen Gestaltung von Orten (Place).

Als empirisches Fallbeispiel dient das Projekt „UTOPOLIS – Transformation in der Neustadt“ in einem postmigrantisch geprägten Viertel Flensburgs, das einen ehemaligen Supermarkt durch soziokulturelle Stadtteilarbeit in einen offenen Begegnungs-, Ausstellungs- und Veranstaltungsort verwandelt. Durch teilnehmende Beobachtungen und leitfadengestützte Interviews wurden Perspektiven und Erfahrungen der lokalen Akteure erfasst. Die so gewonnenen Daten wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet, um zentrale Themen, Dynamiken und Widersprüche herauszuarbeiten und im Kontext des theoretischen Rahmens kritisch zu diskutieren.

Die Arbeit trägt zur Debatte über mögliche Ansätze und Triebkräfte städtischer und gesellschaftlicher Transformationsprozesse bei. Präfiguratives Placemaking, das sich an utopischen Visionen und Idealen orientiert, ist eine widerständige Praxis der Öffnung: Sie hinterfragt kritisch den Status quo, affirmiert das vermeintlich ‚Unmögliche‘, schärft den Blick für das, was noch nicht ist, aber sein könnte, und öffnet Möglichkeitsräume für andersartige Erfahrungen, Praktiken und künftige Entwicklungen. Damit schafft die Praxis konkrete, lokal situierte Ausgangspunkte für Wandel.

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Veröffentlicht

2025-12-16