Vergesellschaftung aus Postwachstumsperspektive
Sozial-ökologische Krisen im Wohnsektor und ihre potenzielle Bearbeitung durch Vergesellschaftung und Postwachstumsansätze
DOI:
https://doi.org/10.18716/ojs/twps/2025.11941Schlagwörter:
Deutsche Wohnen & Co. enteignen, Vergesellschaftung, Degrowth, Sozial-ökologische Krisen, Wohnen, Mieten, Wohnsektor, Suffizienz, Finanzialisierung, EnteignungAbstract
Diese Arbeit untersucht die sozial-ökologischen Krisen im deutschen Wohnsektor und analysiert deren mögliche Bearbeitung durch eine Verbindung von Vergesellschaftungsstrategien und Postwachstumsansätzen. Ausgangspunkt ist die Analyse, dass aktuelle politische Maßnahmen, wie beispielsweise der Neubau, die Mietpreisbremse und energetische Modernisierungen, weder die soziale Wohnraumkrise effektiv entschärfen noch ökologische Zielsetzungen ausreichend voranbringen. Vielmehr verschärfen sie institutionalisierte Zielkonflikte, indem sie soziale und ökologische Probleme auf Kosten der jeweils anderen zu lösen versuchen. Hierzu werden zunächst die sozialen und ökologischen Dynamiken des Wohnsektors sowie deren wechselseitige Verstärkungen herausgearbeitet.
Als zentral für diese Dynamiken wird die kapitalistisch warenförmige Organisationsform von Wohnraum mit ihrer profitorientierten Verwertungslogik und Eigentumsverhältnissen herausgearbeitet. Hierfür wird vor dem theoretischen Hintergrund der Politischen Ökonomie des Wohnens der Einfluss der Finanzialisierung im Wohnsektor auf soziale und ökologische Krisen analysiert. Dem gegenübergestellt werden Formen dekommodifizierter Wohnraumversorgung und ihre Auswirkungen auf soziale und ökologische Krisen.
Anschließend werden Analysen zu strukturellen Wachstumszwängen und Strategien aus den Postwachstumsansätzen diskutiert, um die sozial-ökologischen Krisen im Wohnsektor zu bearbeiten. Dazu gehören Umverteilung, die Reduktion der Pro-Kopf-Wohnfläche, Bauen im Bestand, Energiesuffizienz, kollektive Wohnformen und Demokratisierung.
Darauf aufbauend wird die Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen (DWE) als Fallbeispiel untersucht. Das Konzept von DWE wird auf die Potenziale einer Kombination mit Postwachstumsansätzen hin analysiert und die möglichen Auswirkungen dieser Zusammenführung auf sozial-ökologische Krisen im Wohnsektor überprüft.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Ergänzung des Vergesellschaftungskonzepts von DWE durch Postwachstumsansätze ein komplementäres Transformationspotenzial entfalten könnte. Auf diese Weise könnten sowohl soziale als auch ökologische Aspekte der aktuellen Krisen vielversprechend bearbeitet werden. Gleichzeitig zeigt die Arbeit, dass dies kein Automatismus wäre, da die demokratischen Entscheidungsstrukturen im Vergesellschaftungskonzept die Ergebnisse der demokratischen Prozesse nicht voraussagen lassen und zudem im Punkt Neubau bisher unterschiedliche Positionen bei DWE und in Postwachstumsansätzen bestehen.
Downloads
Veröffentlicht
Ausgabe
Rubrik
Lizenz
Copyright (c) 2025 Transformation Working Paper Series

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International.
