Abstract
Ausgehend von der Idee des Anthropozäns als juristische und ethische Herausforderung ergründet dieser Aufsatz, wie Literatur zum Laboratorium neuer Rechtsvorstellungen werden kann. Er untersucht, wie narrative Formen imstande sein können, rechtliche und moralische Kategorien zu erweitern, zu verschieben oder zu unterlaufen und so Räume für experimentelles Denken zu eröffnen. Anhand von Dirk Roßmanns Der neunte Arm des Oktopus (2020) und Olga Tokarczuks Der Gesang der Fledermäuse (2009) zeigt die Analyse, wie Literatur des 21. Jahrhunderts juristische Grenzen testet: Roßmann auf globalpolitischer und Tokarczuk auf mythisch-ökologischer Ebene. Beide Texte machen sichtbar, dass die Zukunft des Rechts von der Anerkennung nichtmenschlicher
Akteure abhängt und Literatur zum Medium einer Neubewertung werden wird.

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